Reicht es für den JP Morgan oder nicht …?

Laufen trotz Diabetes-Diagnose (Typ1)

Als unsportlich will ich mich selbst nicht bezeichnen, aber in einem Sportverein war ich nie und habe auch nie regelmäßig irgendwo Fußball gespielt oder dergleichen. In meiner Jugendzeit bin ich einmal täglich mit dem Fahrrad 5 km zur Schule gefahren, manchmal auch zweimal, wie viele andere auch.

Und im Laufe des Studiums merkte ich, dass ich weniger Bewegung hatte als früher, was ich an einer leichten Gewichtszunahme feststellte. Den Trend jedoch konnte ich stoppen. Und so ging es Jahre lang gut mit dem gelegentlich fahrradfahren und Gewicht halten. Aber irgendwie war ich damit nicht zufrieden. Als in den 90er Jahren die Sache mit dem JP Morgen-Lauf in Frankfurt aufkam und ich beruflich in der Gegend zu tun hatte, entschloss ich mich, zumindest im Vorfeld dazu etwas zu tun, um nicht nach den ungefähr 5,6 km außer Puste anzukommen. Also habe ich irgendwelche Laufschuhe gekauft und bin so zwischen 5 und 6 km gelaufen, um die Streckenlänge zu kennen. Aber so richtig zufrieden mit dem Laufen war ich nicht, Fahrrad fahren lag mir mehr.

2009 kam ich zu einem Kunden, bei dem der Gruppenleiter selbst begeisterter Triathlet ist und schon auf Hawaii gestartet war. Da kam bei mir der Gedanke auf, über die 5,6 km des JP Morgen hinaus mal was Längeres zu wagen. Uns so meldete ich mich im Herbst 2009 für die Halbmarathondistanz beim Gutenbergmarathon in Mainz an. Das würde wohl einiges an Vorbereitung erfordern.

Und dann passierte es im November 2009: akute Symptome und Krankenhausaufenthalt mit Diagnose Diabetes Typ 1. War damit das Thema Halbmarathon gestorben? Ich wollte es nicht glauben. Noch im Krankenhaus las ich die “Sport- und Diabetesfibel” von Ulrike Thurm » und sah, es ist machbar. In der anschließenden AHB nahm ich Laufsachen mit und sagte mir: hier kann mir eigentlich nicht viel passieren, ich stehe ja unter ärztlicher Aufsicht.

Also lief ich fast jeden Tag mindestens eine halbe Stunde, um in dieser Zeit zu ermitteln, wie viele KE ich während dieser Zeit verbrauche. Mit dieser Erfahrung begann ich dann Ende Februar mir dem Laufen und versuchte, zwei- bis dreimal die Woche mindestens 5 km zu Ende zu bringen, dies war bald kein Problem mehr. Dann steigerte ich mich auf ca. 9 km pro Lauf und brachte dann auch mal irgendwann 15 km dazwischen, denn bald sollte ja der Halbmarathon sein.

Am Tag selbst hieß es, früh genug da zu sein, da ich nicht bereits am Vortag meine Startunterlagen abholen konnte, aber dies war kein Problem. Das Wetter war von außen betrachtet mit ca. 11 Grad und leichtem Nieselregen, der mal aufhörte und wieder einsetzte, eher nicht so gut, während des Laufens empfand ich dies aber eher als angenehm. Vor dem Start machte ich eine BZ-Kontrolle und stellte mich mit den anderen an. Nur nicht so schnell angehen, dachte ich mir immer, 21 km sind lang. Ich hielt mich an meinen “ausgearbeiteten” Plan für die KE-Aufnahme und kam auch recht gut hin. Gegen Ende merkte ich, dass ich das Ziel herbeisehnte, aber ich kam gut an und eine BZ-Kontrolle am Ziel sagte mir, dass ich gut unterwegs war.

Ich freute mich richtig, dass ich mein Ziel, einen Halbmarathon erfolgreich beendet hatte und der Diagnose Diabetes „erfolgreich“ getrotzt hatte – diese Krankheit soll und darf mich nicht unterkriegen. Sicherlich ist das eine Diagnose, die mich erstmal psychisch stark mitgenommen hat. Aber ich konnte für mich feststellen, dass damit keine Einschränkungen hinsichtlich meiner bescheidenen sportlichen Ziele verbunden sind. Mit Mitte vierzig kann und will ich gar nicht Höchstleistungen erzielen, aber mich sportlich betätigen, das kann ich immer und der Diabetes stellt dabei keine wesentliche Einschränkung dar. Ich muss ihn kontrollieren und in meinen Alltag einbauen, aber er beherrscht mich nicht. Und sportlich aktiv kann ich mit ihm sein, ohne dass er als Ausschlußkriterium herhalten muss.

Für mich hat die Diagnose eher dazu geführt, dass ich Ernährung und Bewegung als Teile eines Ganzen verstehe und Diabetes als kleine Herausforderung und Unterstützung verstehe, beides sinnvoll miteinander zu kombinieren.

Alexander

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