IDAA: Internationale Vereinigung Diabetischer Sportler



Claudio Köhl: Run on no Insulin

Bergtouren in den Ostalpen 2009

Seit Sonnwend 2003 habe ich Diabetes mellitus und am Morgen steigt mein Blutzucker an so dass ich das Frühstück nur mit Sport und Insulin in den Griff bekomme.
Damals war es noch eine Herausforderung bei Schneesturm und -20 Grad den Blutzucker in einer Plastiktüte zu messen. Heute messe ich im Winter meinen Blutzucker nur noch selten wenn ich draußen bin, da durch die Aktion der ganze Körper und vor allem die Finger sauber auskühlen.
Auch bei herrlichem Wetter und Sonnenschein kann man sich auf das Ergebnis der Blutzuckermessung nicht ganz verlassen. Ende März 2004 machte ich diese Erfahrung am Schrankogl: Messung ohne Plastiktüte 47 mg/dl, Messung mit 122 mg/dl. Daheim konnte ich anhand der Fotos sehen, dass vereinzelt Schneekristalle in der Luft waren.
Bei Bergtouren ist mir im laufe der Zeit aufgefallen, je mehr ich vorher (Abends und Früh) Kolenhydrate und Insulin zu mir nehme desto häufiger komme ich dann während der Tour in Unterzucker. Somit spritze ich während der Tour kein Insulin und esse nur Kolenhydrate um meinen Blutzucker im Normalbereich zu halten.

Skitour am Arlberg

Ende März war ne 3 tägige Skitour im Arlberg Gebiet geplant.
Davon war aber nur an 2 Tagen das Wetter gut und deshalb wurde das ganze dann doch a bißerl anstrengend.
Da ich am nächsten morgen Früh aufstehen und dann gut 3h im Auto sitzen musste spritzte ich das Basal später, damit es noch während der Autofahrt wirkt. In der Früh ließ ich das Frühstück ausfallen, um ohne Insulin den Aufstieg zu beginnen.

Winterklettersteig über die Vordere Rendelspitze Zum Eingehen ging's dann vor Betriebsbeginn die Piste hoch zur Mittelstation der Rendelbahn. Dort verhüllte dichter Nebel die Sicht. Aber kurz vor der Riffelscharte war das Ende des Nebels erreicht und bei strahlendem Sonnenschein konnte man die Berge der Lechtaler und des Verwalls sehen.
Die Ski an dem Rucksack befestigt, Klettersteigausrüstung angezogen, so konnte ich dem Pistentrubel entfliehen und über den Arlberger Winterklettersteig zur Rendelspitze aufsteigen. Inzwischen hat sich der Nebel an der Mittelstation verzogen und von dort dröhnte Thunderstruck 800hm hoch zum Grat der mit dicken Drahtseilen gut versichert ist. Vom Gipfel ging's nach Süden runter zur Roßfallscharte.

Claudio und Rendelspitze kurz vor Roßfallscharte Paar Snowboarder waren auch unterwegs hierher um abseits der Piste abzufahren. Wie oben schon erwähnt hatte ich aber nicht viel Zeit und fuhr direkt Richtung Piste ab zum Parkplatz, da ich noch zur Kaltenberghütte aufsteigen musste.


Nachdem ich zusätzliche Sachen in den Rucksack gepackt hatte schnallte ich in Stuben die Ski wieder an und kämpfte mich in dem von der Sonne inzwischen aufgeweichten Hang hoch. Da der Schnee recht sumpfig war hielt ich mich hart an der Hangkante, was mit dem Gepäck a bißerl mühsam war.



Winterraum der Kaltenberg-Hütte Sonnenuntergang vom Winterraum der Kaltenberghütte Nachdem die Lifte geschlossen waren erreichte ich die flache Querung nach Westen. Nun folgte ein langer Hatscher zur Hütte.
Aber im krassen Gegensatz zum Vormittag war ich jetzt ganz allein und genoss die Ruhe. Als ich die letzten Meter von Westen rauf zur Hütte stieg lag diese im warmen Licht der Abendsonne.
Schnell war der Ofen eingeheizt, Wasser gekocht und beim Abendbrot konnte ich dem Sonnenuntergang zuschaun.
Unterwegs korrigierte ich nur meinen Blutzucker mit Katjes aber jetzt gab's a gutes Vollkornbrot mit Schinken. Vorsichtshalber hab ich weniger Insulin als sonst (Abendbrot nach 3/4h Radfahrn) gespritzt.
Nachdem ich meinen Rucksack gepackt und Tee für den nächsten Tag gekocht hatte legte ich mich in den Schlafsack. Leider war es dem Blutzuckermessgerät zu kalt. Ich legte es in den Schlafsack und schlief ein. Als ich in der Nacht aufwachte stellte ich fest, dass es anscheinend immer noch zu viel Insulin war.

Kaltenberg von der Krachenspitze mit unverspurtem Gletscherhang Deshalb spritzte ich zum Frühstück a bißerl weniger. Das Queren der verharschten Hänge war a bißerl mühsam. Ich aß noch einen Apfel den ich wegen des wenigen Insulins noch aufgehoben hatte und erreichte dann die Skispur, die Einheimische schon angelegt hatten. Ruckzuck warn wir auf dem Krachen und konnten zum Fuß des Kaltenbergs in bestem Pulverschnee abfahren. Nachdem Aufstieg über den Gletscher zum Skidepot waren die letzten Meter hoch zum kleinen Gipfel des Kaltenbergs noch zu klettern.

Kleines Gipfelkreuz auf dem Katenberg Da es ein herrlicher Samstag war füllte es sich hier oben zunehmend. Irgendwie waren es mir dann doch zu viele Leute hier und ich zog es vor durch den unverspurten Pulver runter zu carven. Nach dem Gegenanstieg zum Krachen konnte ich weiter bis zur Hütte carven, mein zurückgelassenes Gepäck mitnehmen und nach Stuben abfahren.



Ötztalrunde (Von Gurgel bis Sölden)

Im Gegensatz dazu war die Sommertourenwoche unserer Sektion vom Alpenverein mit 15 Leuten im Alter von 15 bis 65 recht gut besucht.
Da die Fahrt bis Gurgel recht lang dauert und der Aufstieg erst am Nachmittag erfolgt, konnte ich in der Früh noch a bißerl was essen und ordentlich Insulin spritzen. Als wir in Gurgel aufbrachen fing es an zu regnen. Im Sommer nehme ich immer einen Regenschirm mit, damit ich auch bei Regen evtl. meinen Blutzucker messen kann. Diesen befestigte ich an meinem Rucksack und wir gingen die Forststrasse entlang bis zur Langtalereck Hütte.

Aufstieg zum Hochwildehaus mit Blick rauf zum Ramolhaus Auf dem Weg zur Hohen Wilde überm Gurgler Ferner Am Nächsten Morgen kam die Sonne wieder raus. Um möglichst wenig Insulin zu spritzen wartete ich mit dem Großteil meines Frühstücks bis kurz vor dem Abmarsch. In der Sonne stiegen wir auf zum Hochwildehaus und mit leichtem Gepäck über den Gurgler Ferner in 2 Seilschaften hinauf zur Hochwilde. In einer Seilschaft die jungen und in der anderen die älteren. Die Seilschaft mit den jungen brauchte trotz höherer Spitzengeschwindigkeit wegen der größeren Anzahl an Pausen a bißerl länger. Vor dem Anseilen schau ich, dass ich wenn's passt noch meinen Zucker messe, da sonst alle auf mich warten müssen. Nach dem Abendbrot ist um 22 Uhr Hüttenruhe. Da die Auffülleffekte nach einer Bergtour immer unterschiedlich ausfallen spritze ich das Basalinsulin erst nach 2:30 Uhr damit ich in der Nacht da durch keinen Unterzucker bekomme und außerdem wirkt es dann beim Frühstück noch a bißerl.

Da es am nächsten Morgen wieder regnete stiegen wir ein Stück ab, überquerten den Gurglerferner und stiegen auf zum Ramolhaus. Nach einer warmen Suppe überquerten wir das Ramoljoch und gingen auf der anderen Seite runter ins Niedertal und von dort hoch zur Martin Busch Hütte was letztendlich ein langer "Hatscher" war.

Abstieg vom Similaun mit Blick von da Weßkugel bis zum Vernagtferner Sonnenaufgang Blick von der Similaunhütte hoch zum Similaun Dafür war der nächste Tag wieder einfacher. Nachdem wir unser Gepäck zur nahen Similaun Hütte hochgetragen hatten spazierten wir mit minimaler Ausrüstung in einer großen Seilschaft hoch zum Similaun. Dort oben konnten wir einen Großteil der Ötztaler Berge sehen und die lange Rast dort oben genießen. Da die Similaun Hütte bereits auf über 3000 Meter liegt ließen wir uns Zeit mit dem Abmarsch und ich hatte noch Zeit für einen Spaziergang, damit mein Blutzucker nicht zu stark ansteigt nach dem üppigen Frühstück.
Dann ging's mit Gepäck hoch zum Hauslabjoch. Ohne Gepäck aber im festen Granit und bei super Wetter kletterten wir auf die Fineilspitze. Dem Hannes gefiel's so gut dass ihn keiner einholen konnte. Oben erwartete uns dann noch ein prächtiger Rundblick zur Weißkugel und die anderen Ötztaler Berge.

Gipfel der Fineilspitze mit Blick zur Wildspitze Aufstieg auf dem Kesselwandferner mit Blick zum Similaun Nach Abstieg zum Hochjochhospitz und Nächtigung wanderten wir in der Vormittagssonne hoch zum Kesselwandferner und über diesen gemütlich rauf zum Fluchtkogel.
Der Abstieg zur Vernagthütte war recht kurz und so blieb noch genügend Zeit sich vor dem nächsten Tag zu erholen. Die Etappe über das Brochkogeljoch und die Mittelbergscharte zur Braunschweiger Hütter war die längste der Tourenwoche.
Dank der genauen Wetterprognose aus Innsbruck konnten wir ausschlafen und brauchten nicht um 5 Uhr losgehen, da es noch regnete.
Im letzten Regen stiegen wir hoch zum Vernagtferner. Es hörte auf zu regnen und die Sonne verdrängte immer mehr die Wolken. Gemütlich spazierten wir auf dem aperen Vernagtferner Richtung Brochkogljoch bis zum Neuschnee.

Auf dem aperen Vernagtferner unterwegs Richtung Brochkogljoch mit Blick zum Brochkogel und zur Wildspitze Abstieg aufm Mittelbergferner zur Braunschweiger Hütte Ab da stapften wir in 2 Seilschaften bis unters Brochkogeljoch.
Die letzten Höhenmeter rauf zum Joch stiegen wir vorsichtig die lockeren Steine hoch. Nach einer Brotzeit auf dem Brochkogljoch stapften wir wieder in 2 Seilschaften im Neuschnee vorbei an der Brochkogl Nordwand Richtung Wildspitze. Angesichts des Neuschnees, der durch die Sonne immer sumpfiger wurde und der Zeit fiel diese dieses mal leider aus.
Beim Abstieg über den Taschachferner mussten wir an manchen Stellen vorsichtig über die großen Löcher im Gletscher gehen. Da wir aber in jeder Seilschaft recht viele waren, konnte uns nicht viel passieren. Kurz vor dem Mittelbergjoch hab ich mich auf dem Gletscher in ein "Nichtschwimmer Becken" verlaufen :-( und durfte den restlichen Weg mit wassergekühlten Füßen zurücklegen).
Vom Mittelbergjoch konnten wir in weiter Ferne die Braunschweiger Hütte sehen. Aber auf dem aperen Mittelbergferner brauchten wir kein Seil. Wir stiegen und queren diesen recht zügig ab. So erreichten wir die überfüllte Hütte noch rechtzeitig zum Abendessen.

Am nächsten Vormittag stand nur noch der kurze Übergang zum höchsten Parkplatz von Sölden aus. Dummerweise war der Weg gesperrt, aber wir wurden von diesem Parkplatz abgeholt. Bis wir aber auf dem Pitztaler Jöchl waren und noch die Aussicht ins Pitztal genossen, hatten sich die jüngsten unserer Gruppe bereits bis zum Parkplatz durchgeschlagen, was nicht so einfach war, da der versicherte Weg in steilen losen Felsen endete. Aber auf der anderen Seite konnten wir ein Schneefeld erreichen über das wir bis fast zum Parkplatz abfuhren.
Bei der obligatorischen Renzo Einkehr während der Heimfahrt ging dann ordentlich Insulin drauf, nachdem ich mir das Frühstück gespart hab.

Elmauer Halt

Da wir dieses Jahr wenig in den Bergen waren fuhren wir (mein Cousin und ich) am Samstag vorm 1. Advent zur Wochenbrunner Alm.
Weil die Autofahrt nicht all zu lang dauert ließ ich das Frühstück ausfallen und startete mit leicht erhöhtem Zucker aber ohne Insulin die Tour. Wir gingen los Richtung Gruttenhütte. Als wir aus dem Wald kamen, schien die Sonne auf den Neuschnee und ein herrlicher Tag begann.

Aufstiegt am Drahtseil entlang hoch zur Elmauer Halt Abstieg die Rote Rinne runter Bei der Hütte machten wir ne kurze Brotzeit. (Mein Zucker war etwas zu niedrig und ich aß einen Apfel.) Dann ging's hoch in die Rote Rinne. Der Altschnee dort war fest, so gewannen wir einfach und schnell Höhe. Allerdings lag recht wenig Schnee am Ende der Rinne so dass der Ausstieg nicht so einfach war: vereiste nach unten geschichtete Felsen; aber nach dem 2.Versuch hatten wir die Stelle überwunden und konnten zu den Drahtseilen hoch steigen. Bei der nächsten Brotzeit konnten wir den von der Sonne beschienenen Gipfel sehen. Ich aß 2 Gelbe Rüben (die Balaststoffe verhindern, dass die Kolenhydrate schnell ins Blut gehen, aber im Aufstieg helfen sie Unterzucker zu verhindern).
Durch einen steilen Riss führte der Weg dann auf die fast schneefreie Südseite. Bald danach erreichten wir den Gipfel.
Dort oben schauten wir ausgiebig nach allen Seiten auf die Bergwelt und den Chiemsee.
Als wir dann wieder runter stiegen wurde das Licht der Nachmittagssonne immer wärmer. Den Abstieg in die Rote Rinne wollten wir aber noch im Tageslicht schaffen. Dieser war zum Glück runter zu einfacher als rauf. Dann konnten wir gemütlich die Rinne runterfahren und den Anblick der Berge im warmen Licht der untergehenden Sonne genießen. Bergtouren im Spätherbst sind doch die schönsten.

Während des Abstiegs nahm ich 3 Euro-Münzen (Katjes): 1 BE. Im Gegensatz zum Mountainbiken wo ich nach 2-3 h immer wieder in Unterzucker komme, ist das Bergsteigen recht angenehm.

Beim Mountainbiken hab ich auch schon mit Nüssen experimentiert: Nachdem ich Abends ~500 g Nüsse gegessen hab :-( und da durch schon in der Nacht relative hohen Zucker hatte kann ich am Vormittag ne ganze weile Mountainbiken aber ab 3h fällt dann auch wieder der Zucker ab. Selbst ohne Frühstück und Insulin komm ich nicht weit über 3 h hinaus und die Spritzigkeit beim Biken leidet darunter auch.
Blick Richtung Großvenediger und Zillertaler Alpen vom Auslauf der Roten Rinne