IDAA: Internationale Vereinigung Diabetischer Sportler



Diabetes- und Sport-Forum

CGM Freestyle Navigator, Erfahrungsberichte

Autor Nachricht
Verfasst am: 03. 09. 2010, 16:13
Casper_112
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 6
Hallo Schmidde,

ich habe gerade die 100% Finanzierung über Priv. Krankenkasse (Debeka) und Beihilfe durch. Das war ein gute Gefühl.
Die Rechnung Teststreifen gegen CGM geht nicht auf, da weiterhin Teststreifen anfallen - zum kalibrieren des Sensors! Und dann kommt noch der der Sender zum Anzeigegerät (REAL-Time zur Pumpe) oder Sender und Anzeigegerät (NAVIGATOR). Alleine Teststreifen zu Sensor ist das CGM um das Doppelte teurer!
Was natürlich besser wird, ist, dass Du evt. Nachthypos entdeckst und Deine Therapie besser einstellen kannst, schneller auf Über- und Unterzucker reagierst, und während des Trainings oder einer Sportveranstaltung Dich besser einschätzen und besser handeln kannst. Es entstehen keine Leistungslöcher mehr!
Grundvoraussetzung ist, dass Du gut beraten wirst und ggf. ein wasserdichtes Attest/Gutachten zwinker2.gif zur Begründung einer solchen Maßnahme hast.
Jeder Versuch, der mit Erfolg beschieden wird, ist für alle Diabetiker ein Schritt in die richtige Richtung. Und nicht zu letzt auch ein Beweis dafür, dass sich die Industrie richtig entwickelt.
Woher weist Du jetzt, wie sich mit einem BZ-Wert Dein Zucker entwickelt! Reicht Deine Erfahrung? 5banghead.gif Mir nicht! Ärger, Stress, Erwartungen alles das kann mein BZ-Wert deutlich beeinflussen! Und jetzt kann ich es sehen, evt. Basal anheben oder senken! Klasse. nick.gif nick.gif nick.gif
Ich kann das nur beführworten. 6yes.gif 6yes.gif 6yes.gif
Verfasst am: 16. 09. 2010, 17:26
Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 144
Hallo miteinander!

Ich habe heute nachmittag von meiner Diabetes-Ambulanz zu Testzwecken den Navigator für 5 Tage bekommen. Ich bin insbesondere gespannt, wie sich der BZ während des Laufens entwickelt; das ständige Messen bringt mich immer aus dem Laufrhythmus.
Ich werde an dieser Stelle im Laufe der nächsten Tage von meinen Erfahrungen berichten.

Detlef

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 16.09.2010 um 17:27.]
Verfasst am: 16. 09. 2010, 21:05
Tuut
Themenersteller
Dabei seit: 20.09.2009
Beiträge: 6
Hallo Detlef,

bin schon sehr gespannt auf Deinen Bericht. Viel Erfolg beim Ausprobieren!

viele Grüße hallo.gif
Tuut
Verfasst am: 18. 09. 2010, 10:24
Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 144
Hallo!

Die zweite Nacht mit dem Navigator war wesentlich entspannter. In der ersten Nacht warnte er mich ständig vor einer Hypo mit einem angeblichen BZ von 60. Eine Kontrollmessung mit einem anderen Gerät ergab aber 120. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die dritte Kalibierung erfolgt. Erst seit gestern Nachmittag (4. Kalibierung) sind die Werte vergleichbar. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Navigator im Vergleich zum echten Blut etwa 10-15 Min. verzögert anzeigt.
Bei einem kleinen Testlauf von 6km vorgestern war insbesondere die Tendenzanzeige hilfreich. Ich glaube, dass vor allem diese eine wichtige Entscheidungshilfe während des Laufes sein kann, wann und wie viele KE ich zu mir nehme.
Ich werde gleich einen längeren Lauf mit ausreichend KE im Gepäck starten und hier davon berichten.

Detlef
Verfasst am: 18. 09. 2010, 16:50
Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 144
Hallo!

Hier nun der Bericht von meinem ersten "richtigen" Lauf mit Navigator-Unterstützung:
Ein paar Informationen vorweg: Ich bin noch in der Remission und benötige noch kein fremdes Basis-Insulin. Meine Faktoren sind insbesondere morgens noch sehr gering. Dennoch laufe ich erst 3,5h nach 2IE NovoRapid, weil ich sonst 1KE/km brauche!

- 07:45 Frühstück (BZ 100, 10KE, 2IE, nicht reduziert, Faktor 0,2)
- 10:45 2. Frühstück (BZ 150, 6 Vor-Sport-KE)
- 11:30 Start (BZ 140 Tendenz -> )
- 11.50 ca. 4km (BZ 110 leicht fallend, 2 Flüssig-KE)
- 12:05 ca. 7km (BZ 95 leicht fallend, 2 Flüssig-KE)
- 12:15 ca. 9km (BZ 100 gleichbleibend)
Danach war der BZ konstant bei etwa 100 bis ins Ziel nach 15km mit 1h18´ auch mit leichter Tempoerhöhung im letzten Fünftel.
Für den Notfall hätte ich weitere 2 Flüssig-KE, einen Riegel (2KE) und ein Gel (3KE) dabei gehabt. Da der Navigator mir aber kein Sinken anzeigte und in meinem Körper kein fremdes Insulin mehr am Wirken war, nahm ich nichts zusätzlich ein. Ohne Navigator hätte ich 2 bis 4KE zusätzlich zur Sicherheit eingenommen.
Ich habe fürs nächste Mal gelernt, das 2. Frühstück noch etwas nach vorn zu verlegen (60 Min. vor Start), um mit BZ 150^ zu starten. Die Zusatz-KE in der ersten Hälfte zu nehmen war richtig, so dass sie noch während des Laufes wirken konnten und den BZ konstant hielten.
Nach dem Lauf aß ich zu Mittag (4KE mit 50%-red. Insulin 1IE). Zwei Stunden später sackte der BZ auf knapp 80, was ich aber mit einer Kugel Eis abfangen konnte.
Vorläufiges Fazit: Der Navigator gibt mir die Sicherheit, meinen BZ auch und gerade beim Sport zu kontrollieren. Ein BZ von 100 verursacht keine Panik mehr in mir, wenn die Tendenz gleichbleibend ist.
Morgen ist Ruhetag; nächster Lauf am Montag, bevor ich das Gerät am Dienstag (leider) wieder abgeben muss.

Bis dann
Detlef
Verfasst am: 18. 09. 2010, 23:10
Jörg
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 14
Hallo Detlef,

ich habe es mal zusammengezählt:
bis 12:15 Uhr mit 15Km Laufen: 20 KEs und nur 2 IE Insulin, kein Basal 2shocked.gif
Bist Du Dir sicher, dass Du Diabetes hast? 1wink.gif
Im Ernst:
Ich befinde mich auch noch in der Remission und habe vor ein paar Monaten ähnliche (aber nicht so extreme) Erfahrungen gemacht:
Ich habe auch zwei Wochen lang auf Basal verzichtet. Heute würde ich Dir raten Dir 1 oder 2 IE Basal pro Tag zu gönnen um Deine Bauchspeichedrüse zu entlasten und somit möglichst lange von Deiner Remission zu profitieren.
Wenn Du kein Basal spritzt und Dein letzter Bolus (von nur 2 IE Analog-Insulin) fast 4 Stunden zurück liegt, würde ich mir um eine Unterzuckerung gar nicht so große Sorgen machen. Da Deine Beta-Zellen zumindest wärend des Sports noch ausreichend Insulin produzieren, würde ich unter diesen Umständen auch niedrigere (gesunde) BZ-Werte akzeptieren. Du kannst mit dem Navigator ja mal morgends ohne Frühstück und Bolus Laufen und gucken wie weit Dein BZ ohne externes Insulin sinkt. (Das ist dann ja praktisch wie bei einem Gesunden) Ich schätze bei ca. 50 mg/dL wird er sich fangen.
Ich weiß, dass Dir kein Arzt raten würde als Diabetiker einen BZ von 50 mg/dL in Kauf zu nehmen, aber was soll denn passieren - ist doch Dein eigenes Insulin, wie vor der Diagnose und ohne Insulin-Therapie.
Zur Genauigkeit des Navigators:
Da spielt wohl die erst Kalibration eine entscheidende Rolle.
Als ich den FSN vor ein paar Monaten zur Probe tragen durfte, hatte ich neben dem Zeitlichen versatz eine Ablage von 10-30 mg/dL.
Im Moment ist die Genauigkeit verblüffend und die Ablage liegt bisher ausnahmslos im einstelliegen Bereich. Die Ablage der BZ-Messungen zwischen dem FSN und meinem Accu-Chek Combo ist da größer. (Combo ca. 10% höher als FSN)
Weiterhin viel Spaß und Erfolg mit dem Navigator!

Viele Grüße,
Jörg
Verfasst am: 20. 09. 2010, 19:19
Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 144
Hallo!

Hier nun der Erfahrungsbericht zweiter Teil:
11km Laufstrecke, Fahrtspiel in 0h53´
- 45Min. vor dem Lauf liegt der BZ bei nur 90; ich nehme 3KE zu mir.
- Beim Start ist der BZ 140, Tendenz steigend
- Die ersten 10Min. steigt er noch etwas auf 150
- Nach 15min./3km nehme ich 2 Flüssig-KE.
- Da der BZ die nächsten 20 Min. in etwa konstant bleibt, nehme ich keine weiteren KE.
- In den letzten 15 Min. sackt der BZ langsam von 140 auf 125.
- Nach dem Lauf rutscht der BZ auf 90 runter, fängt sich aber wieder und steigt dann Richtung 100.
- Dann erst esse ich mit 50%-Bolus zu abend.

Abgesehen von meiner persönlichen Laufeinstellung zeigt dieser Verlauf, dass man mit der kontinuierlichen Messung seine Sportaktivitäten angstfrei in einem optimalen BZ-Bereich halten kann. Damit fühle ich mich fast wie vor dem Diabetes mit dem Unterschied, dass jetzt mein Großhirn die Kontrolle über einen Teil meines Stoffwechsels übernommen hat.
Auch im Alltag gehe ich ungezwungener mit meinem BZ-Spiegel. Also ein eindeutiges JA zu diesem Gerät; am liebsten möchte ich es nicht wieder hergeben!

Detlef
Verfasst am: 21. 09. 2010, 16:57
Andreas
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 525
Wow, dieser Lauf ist ja perfekt gelungen! Besser geht's nicht! 2shocked.gif 6yes.gif

Solche Meisterleistungen gelingen aber leider nicht immer, zumindest mir nicht, und das obwohl ich seit mehr als zwei Jahren kontinuierlich den Navigator trage und mich inzwischen doch eigentlich sowohl mit der Technik als auch mit meinem Stoffwechsel auskennen sollte.
Aber auch wenn mir immer wieder ein Training entgleist, von den vielen nicht optimal absolvierten Wettkämpfen schweige ich mal lieber, ist doch der Navigator nicht nutzlos, denn er ermöglicht, auch wenn der Blutzucker gerade nicht gehorcht, ein (in der Regel) ausreichend frühes Gegensteuern, sodass insbesondere Hypos so gut wie nicht mehr auftreten ... und das ist, finde ich, schon sehr viel wert!

Die Ungenauigkeiten während der ersten Tage überraschen mich, die kenne ich gar nicht. Das liegt aber auch daran, dass ich Jörgs Rat befolge, und nur noch bei absolut stabiler Stoffwechsellage kallibriere. Deshalb setze ich den Sensor am Abend gegen 20 Uhr, bei der ersten und zweiten Kallibrierung (21 Uhr und 22 Uhr) ist mein Abendessen, das ich an diesem Tag extra schon vor 18 Uhr einnehme, schon verdaut, die dritte Kallibrierung ist dann vor dem Frühstück, die vierte und fünfte mache ich wieder am Abend nach 22 Uhr. Die Folge ist eine unglaubliche Genauigkeit, die (normaler Weise) jede weitere Messung unnötig macht, ich vertraue also (in der Regel) bei meinen Therapieentscheidungen den angezeigten Werten und Trends.

Zwar bin ich kein Selbstzahler (meine private Krankenkasse übernimmt gemeinsam mit der Beihilfe alle Kosten, ohne Gutachten/Attest, einfach auf Rezept), aber die Kosten würde ich, sollten diese nicht mehr ersetzt werden, sofort tragen, auch weil ich einen Sensor meist 15 Tage trage und somit nur zwei Sensoren pro Monat anfallen (Kostenpunkt: ~120 Euro/Monat).

Viele Grüße,
Andreas
Verfasst am: 25. 09. 2010, 00:09
Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 144
Hallo ihr Navigator-Träger!

Leider musste ich den Navigator wieder abgeben. Er hat mir bei der Handhabung eines 10-12km-Laufes sehr geholfen, so dass ich jetzt auch ohne Zwischenmessungen auf dieser Strecke einigermaßen sicher hinkomme. In Richtung HM-Training bin ich da noch unsicher, weil der Testzeitraum für entsprechende Läufe nicht ausreichte.
Auch ohne Laufen habe ich abends häufig Probleme, den BZ in Richtung 100 zu bringen. Weil ich heute abend zweimal nachkorrigieren musste (BZ von 240! um 22:00), bin ich jetzt noch wach und schreibe hier. Als ich den Navigator noch trug, habe ich so einen Trend früher gesehen und entsprechend korrigiert.
Ich habe gestern bei Abbott einen Kostenvoranschlag für die (priv.) Kasse/Beihilfe beantragt; mal sehen, was draus wird. 2huh.gif

Detlef
Verfasst am: 27. 09. 2010, 11:17
Andreas
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 525
Dann drücke ich Dir, Detlef, ganz fest die Daumen, dass es klappt! Bei einigen privaten Krankenversicherungen klappt's ja mit dem Navigator. 2cheesy.gif

Meine Navigator-Erlaubnis erhielt ich völlig unkompliziert aufgrund zweier Telefonate im August 2007:
1. Private Krankenkasse: "Äh, kennen wir nicht, wo können wir uns informieren? - Wir rufen zurück." (Zwei oder drei Tage später.) "Wir übernehmen die Kosten aus Kulanz, reichen Sie Rechnung und Rezept ein."
2. Beihilfe Hamburg: "Warten Sie, ich schau mal nach." (Eine Minute später.) "Das steht nicht auf unserer Ausschlussliste, also sollten wir das übernehmen. Eine definitive Prüfung erfolgt aber erst, wenn uns ein Rezept vorliegt."

Hoffentlich läuft's bei Dir genauso!


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