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Verfasst am: 02. 09. 2011, 16:53
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breschdlingsgsaelz
Themenersteller
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 109
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Vor ein paar Wochen bekam ich mal die Gelegenheit für einen geringen Obolus das Dexcom 7plus CGM System für eine Woche zu tragen, wobei die Leihgebühr zum Teil von Roche gesponsert wurde, danke dafür nochmals. Danach hatte ich für einen etwas heftigeren Betrag noch einen Navigator 10 Tage lang getragen. So hatte ich sie quasi im direkten Vergleich und möchte Euch mal meine Erfahrungen mitteilen in der Hoffnung, dass sie hilfreich sein mögen. Das Thema treibt ja sicherlich jeden von uns irgendwie um, wenn es auch wohl nur für wenige finanzierbar ist.
Mal vorweggenommen: das Dexcom Gerät fand ich in so vielerlei Hinsicht schlechter, dass ich es für meine Zwecke (vornehmlich den Einsatz beim Sport) als nicht geeignet einstufen würde. Zum Überprüfen der Therapie ist es aber durchaus ein geniales Hilfsmittel. Der Dexcom Sender ist nur für die Anwendung am Bauch zugelassen - und dort störte er mich zumindest extrem. Dazu kamen auf mehrere Tage anhaltende leichte Schmerzen an der Einstichstelle die mich ständig auf unangenehme Weise an sein Vorhandensein erinnerten. Möglicherweise war das aber ein unglücklicher Umstand, der nicht immer auftritt und der Sender soll wohl auch an anderen Stellen funktionieren. Zumindest ist er deutlich kleiner als der vom Navigator. Dafür muss man ihn wohl jedes Jahr austauschen, was schonmal jährliche Fixkosten von ca. 700€ ausmacht, ohne dass man einen einzigen Wert gemessen hat. Für sporadische Nutzung ist das also viel zu teuer. Die Erstkalibrierung bedeutet erstmal drei Stunden BZ-Technischen Blindflug. Beim Navigator bekam ich schon nach der ersten Kalibrierung (nach 1 Stunde) den BZ angezeigt. Dafür schien der Dexcom unempfindlicher gegen Schwankungen in der Kalibrierungsphase zu sein die hatte ich nämlich nach dem Anlegen des Dexcom. Beim Navigator hatte ich bei der zweiten Kalibrierung ein Hypo mit BZ <60, da stieg das Gerät aus und verlangte nach 2 Stunden eine neue Kalibrierung mit BZ-Blindflug zwischendrin. Den 7plus kann man mit einem beliebigen BZ-Schätzeisen kalibrieren, beim Navi muss der eingebaute Freestyle-Messer genutzt werden. Hat beides so seine Vorteile. Dexcom muss häufiger kalibriert werden, nämlich alle 12Stunden wenn ich das richtig in Erinnerung habe, der Navigator in 5 Tagen nur dreimal. Beim Sport ist der Dexcom bei mir voll durchgefallen. Der bietet nämlich als Alarm-Möglichkeiten für Unterzucker nur eine Hyposchwelle an, die nur auf max 100mg/dL einstellbar ist sowie zwei fest vordefinierte BZ-Fallgeschwindigkeiten von 2mg/dl/min und 3mg/dl/min. Dadurch dass die Messung im Zwischenzellwasser immer etwas dem BZ hinterherhinkt, ist das einfach nicht ausreichend. Bei einer Radtour z.B. hatte ich leichte Hyposymptome, als das 7plus noch 104 mg/dl angezeigt und auch keinerlei sonstige Alarme ausgelöst hat. Eine Kontrollmessung mit dem One Touch Ultra ergab 64. Das ist eigentlich genau das was nicht passieren sollte. Der Navigator mit seiner UZ-Prognose hat bei mir zuverlässig Unterzuckerungen erkannt, und zwar - ganz wichtig - zumeist bevor sie eingetreten sind. Das war wirklich Gold wert, vor allem zu Zeiten wo ich nicht im Traum daran gedacht hätte, dass ich eine Hypo bekommen könnte: z.B. nach der Pause in der Albert-Link-Hütte wo ich ohne Insulingabe einen fetten Kaiserschmarren mit Apfelmus verdrückt hatte (der hatte sicher nicht weniger als 8BE). Die Auswertung am Empfänger ist beim Navigator auch viel besser gelöst. Beim Dexcom kann man zwar auch einstellen, ob man 3/6/12 oder 24h auf einmal im Graphen sehen will, man kann aber nicht "zurückblättern" - der Graph hat als Endpunkt immer die aktuelle Zeit eingestellt. Das geht beim Navigator schon. Wenn man z.B. sehen möchte, wie sich der BZ-Verlauf gestern beim Frühstück gestaltet hat um heute z.B. die Therapie daran anzupassen, kann man das beim Navigator, beim 7plus nicht. Auch die Tagebuchfunktion der 7plus ist von deutlich eingeschränktem Nutzen, weil man nicht zwischen Basis und Bolusinsulin unterscheiden kann (für Pumpis sicher irrelevant). Beim Abbott Gerät kann man auch alle Tagebucheinträge nachträglich am Empfänger einzeln einsehen, beim Dexcom habe ich keinen derartigen Menüpunkt gesehen. Dafür ist die Auswertungssoftware "CoPilot" auch deutlich verbesserungswürdig. Ich habe es nicht geschafft, dort einen BZ-Graphen gleichzeitig mit Tagebucheinträgen (Insulin, Mahlzeiten) darzustellen, wie das z.B. am Empfänger direkt möglich ist. Das erschwert die Auswertung von BZ-Verläufen nach dem Essen doch erheblich. Die Auswertungssoftware von Dexcom kenne ich nicht, kann ich leider nichts drüber sagen. Weiterhin hat sich bei meinem Dexcom-Sender schon nach 4 Tagen so langsam das Pflaster gelöst, beim Navigator war das noch nach 11 Tagen bombenfest. Lag aber sicherlich auch an der Montagestelle - am Arm kommt nicht soviel Feuchtigkeit hin beim schwitzen und in der Badewanne (letzteres mit beiden Sendern getestet). Was ganz unpraktisch beim 7plus war: die Reichweite: Der Empfänger hat bei mir teilweise schon die Verbindung zum Sender verloren, wenn ich ihn in der Trikotasche hatte. In der Wohnung funktionierte die Übertragung nur im gleichen Raum. Der Navigator hatte fast in der gesamten Wohnung Empfang, auch durch mehrere Wände. Das ich das Ding zuhause nicht ständig am Körper tragen will, ist das für mich ein Erheblicher Vorteil. Der Dexcom Sensor hat tatsächlich genau die 7 versprochenen Tage gehalten und mehrere Versuche, ihn danach nochmal neu zu starten lieferten nur "Sensorfehler". Den Navi Sensor habe ich problemlos zweimal 5 Tage getragen und ein drittes Mal wäre vermutlich auch gegangen, wenn ich nicht am 11. Tag zwischen erste und zweiter Kalibrierung die Teststreifendose verloren hätte. Freestyle Streifen hatte ich nicht zuhause und zwei Tage danach hätte ich ihn eh abgeben müssen. Also habe ich ihn nach 11 Tagen abgemacht. Das lässt sich sicher nicht verallgemeinern, aber in der Tendenz entspricht das dem, was ich per Internet und Buschfunk erfahren habe. Eine Katastrophe ist beim Navigator das Auslesen per Bluetooth. Ich habe sage und schreibe vier verschiedene Computer mit zwei eingebauten und vier externen USB-Bluetooth-Sticks probiert, drei davon hatten den Broadcom Chip, mit dem der Widcomm-Stack laufen soll, ein Stick kam sogar mit dem Widcomm-Stack auf CD und auf einem der eingebauten Broadcom-Chips lief auch die 6er Version des Widcomm-Stacks von der Broadcom-Webseite. Mit keiner dieser Kombinationen war ich in der Lage eine Verbindung zum Navigator aufzubauen. Erst als ich einen neuen BT-Stick gekauft habe (Belkin F8T017), mit dem ich den Widcomm Treiber Version 6 unter einem 32 Bit Windows XP installieren konnte, war die Kommunikation möglich. Es scheint also weder unter Widcomm 5.5, noch unter Windows 7 64 Bit möglich zu sein. Ebensowenig mit dem Windows-Eigenen Bluetooth-Stack. Es ist mir unverständlich, warum von Abbott nur so spezielle Kombinationen unterstützt werden. Fazit: In der Praxis bin ich auf einige Eigenheiten von CGM-Systemen gestossen, die ich vorher nicht bedacht hatte. Das sind z.B. die lästigen Kalibrierungszeiträume. Bei Dexcom hat man jedes Mal drei volle Stunden BZ-Blindflug nach dem Sensorwechsel. Beim Navigator muss man eine und drei Stunden nach dem Anlegen des Sensors kalibrieren und diese Zeiträume genau einhalten, hat dafür nur eine Stunde Blindflug. Das bedeutet, dass man sich im Prinzip schon Tage im Voraus Gedanken machen sollte, wann man den Sensor anlegt, damit man nicht genau während der Radtour, dem Wettkampf o.ä. in der Kalibrierungsphase landet. Dass die Funkreichweite so unterschiedlich sein kann und das auch so wichtig ist, hätte ich vorher nie gedacht. Und dass es in der Praxis doch so große Unterschiede zwischen den Systemen gibt, erstaunt mich auch. Alles in Allem hat für mich der Freestyle Navigator haushoch gewonnen, für das Dexcom 7plus würde ich persönlich kein Geld ausgeben. Natürlich habe ich auch mit dem Dexcom wertvolle Hinweise für meine Therapie gewonnen. z.B. habe ich mit dem CGM festgestellt, dass ich hohe BZ-Spitzen nach dem Essen habe und konnte das mit einem Spritz-Ess-Abstand von 15 Minuten in den Griff bekommen. Ich hoffe, dass mein HbA1c dadurch beim nächsten Mal wieder unter 7 liegt. Ich bin schwer am überlegen, ob ich mir den Navigator kaufen soll. Da ich schon drei Jahre lang erfolglos versuche, den von meiner KV finanziert zu bekommen werde ich den wohl selbst bezahlen müssen. Aber das Ding ist wirklich genial, in der Praxis noch viel mehr als in der Theorie. Wenn das nicht so entsetzlich teuer wäre. Weiss jemand, ob bald auf der Front was neues rauskommt? Ich habe bisher nur von einem neuen Dexcom-Sender gehört, dessen wesentliche Weiterentwicklung die Integration in eine Animas-Pumpe ist. Wenn der Rest so bleibt wie bisher haut mich das nicht vom Hocker. Gibt's News aus Richtung Abbott oder von einem anderen Hersteller? |
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Verfasst am: 04. 09. 2011, 19:37
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Andreas
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 545
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Vielen Dank für den ausführlichen Bericht, dem ich in nahezu allen Punkten aus eigener dreijähriger Erfahrung zustimmen kann.
Einen Punkt sehe ich allerdings anders: Gerade der Kalibrierungsalgorithmus des Navigators ist besonders gut, besser jedenfalls als die derzeitigen Konkurrenzsysteme. Mit fallenden oder steigenden Blutzucker geht der Navigator sehr gut um - oder er verzichtet auf eine Kalibrierung. Besser jedenfalls als die Konkurrenzsysteme, die falsche Kalibrierungen als Basis der Werte während der gesamten Laufzeit berücksichtigen und dadurch nicht mehr auf die Spur zu bringen sind. Schade ist nur, dass Abbott den Navigatorverkauf in den USA endgültig eingestellt hat ... was derzeit zwar keine Auswirkung auf die anderen Märkte hat. Ob das aber mittelfristig so bleibt, weiß ich nicht. Infos dazu auch in meinem Blog:www.laufen-mit-diabetes.de/2011/09/01/abbott-freestyle-navigator-verkauf-eingestellt/ Viele Grüße, Andreas |
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Verfasst am: 26. 09. 2011, 18:20
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dieIris
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 11
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Hallo zusammen,
überlege mir gerade, ob es sich für mich lohnt, ein CGM-Gerät anzuschaffen. Der Anschaffungspreis des Navigators ist zwar hoch, aber schlimmer finde ich noch die Preise für die Sensoren. Wie lange kann man die liegen lassen? Ich muss selbst die Katheter nach einem Tag wechseln. Wieviel bezahlt man nach der Anschaffung wirklich pro Monat? Ich würde mich über Infos echt freuen. Viele Grüße, Iris |
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Verfasst am: 26. 09. 2011, 18:40
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Detlef
Dabei seit: 05.09.2010
Beiträge: 159
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Hallo Iris,
die Sensoren des Navigators sind offiziell für eine Liegezeit von fünf Tagen ausgelegt; einen Neustart für weitere fünf Tage machen sie i.d.R. problemlos mit. Damit lägen die Kosten bei etwa 6,50€ am Tag. Die Messstreifen zur Kalibierung bekämst ja weiterhin von der Kasse bezahlt. Abgesehen von den hohen Anschaffungskosten, wäre dieser Betrag akzeptabel für das hohe Maß an zusätzlicher Sicherheit. Ich habe meine (private) Kasse mit etwas Aufwand überreden können, die Kosten des Gerätes und die Sensoren für ein Jahr zu tragen. Am Ende dieses Jahres muss mein Diabetologe in einem Gutachten die Sinnhaftigkeit einer Fortführung begründen. Mal sehen. Gruß Detlef |
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Verfasst am: 27. 09. 2011, 00:07
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Petra
Dabei seit: 02.02.2011
Beiträge: 5
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Hallo Iris,
meine bisherigen Navigator-Sensoren haben zwischen 5 und 19 Tagen gehalten, meist zwischen 10 und 15 Tagen. Viele Grüße Petra |
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Verfasst am: 27. 09. 2011, 22:06
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Andreas
Dabei seit: 30.05.2009
Beiträge: 545
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Trage meine Sensoren (fast) immer 15 Tage. Wenn der gefährliche Sensoralarm kommt, helfen folgende Maßnahmen, die Alarme zu stoppen:
1. Prüfen, ob die Trägerplatte noch fest klebt. Ansonsten neu fixieren. 2. Sender abschieben, auf Sensor tippen (tiefer in die Haut drücken) und Sender wieder aufschieben. Die Frage, ob ein neuer Sensor gesetzt wurde, verneinen. 3. Batterie im Sender ersetzen. Auch hier die Frage nach einem neuen Sensor verneinen. Hintergrund: Der Sensoralarm erscheint, wenn der Stromfluss nicht plausibel ist. Dies kann durch hin- und herwackeln ausgelöst werden (vgl. 1.), durch mangelnde Stichtiefe (der Sensor ist quasi ein wenig rausgerutscht) oder abgenutzte Kontakte (vgl. 2.) oder durch eine schwache Leistung der Senderbatterie (die Anzeige im Empfänger ist nicht verlässlich!, vgl. 3.) ausgelöst sein. Aber: Das alles sind persönliche Erfahrungen und Laienerklärungen, ob das wirklich so ist, weiß ich nicht wirklich. Dass aber die drei Maßnahmen den Sensorfehler zumindest für eine gewisse Zeit verschwinden lassen, das erlebe ich immer wieder: Ein Sensorfehler am 8. Tag heißt nicht unbedingt, dass ich bis zum 15. Tag noch einen erlebe. Viele Grüße, Andreas |