IDAA Wandertage im Harz (Oktober 2026)

Am ersten Oktoberwochenende fand bei bestem Herbstwetter das Wanderwochenende der IDAA in Hahnenklee im Oberharz statt. Für mich war es die erste Veranstaltung der IDAA, und ich wusste daher nicht so recht, was mich erwarten würde. Meine Vorstellungen reichten von einem Treffen versierter Ultramarathonläuferinnen und -läufer bis zu einem bewegten Kaffeekränzchen der IDAA-Seniorinnen und -Senioren. Okay, das Durchschnittsalter der zwölf Teilnehmenden lag jenseits der 40, und manche hatten tatsächlich schon Ultraveranstaltungen absolviert. Im Grunde aber war es ein ganz normales Wanderwochenende mit ganz normalen Menschen, von denen die meisten – nicht alle, denn auch Partnerinnen und Partner waren dabei – mit Typ-1-Diabetes beglückt sind.

Am Donnerstagabend trudelten wir alle pünktlich zum Abendessen ein. Da sich noch nicht alle kannten, gab es zunächst eine kurze Vorstellungsrunde. Zugegebenermaßen waren die abgefragten Fakten – Jahre seit der Erstdiagnose, Therapieform, Pumpenhersteller – nicht ganz alltäglich, brachten die Gespräche aber schnell in Gang. Die Typ-F-Teilnehmenden hatten dafür offenbar längst eine hohe Toleranz entwickelt. Für mich als relativen Neueinsteiger – erst seit zwei Jahren diagnostiziert und seit gerade einmal zwei Wochen mit Pumpe unterwegs – eröffnete sich ebenso wie für andere LADAs und langjährige T1er eine wahre Informationsflut.

Aber wir waren ja nicht auf einer Fortbildung, sondern auf einem Wanderwochenende! Nach einem völlig entspannten Frühstück ging es um 10 Uhr direkt vom Hotel auf die erste, knapp 15 Kilometer lange Wanderung: zum Glockenberg und anschließend über eine Reihe von Seen, die zur UNESCO-Welterbestätte Oberharzer Wasserwirtschaft gehören, wieder zurück. Unterwegs kehrten wir in einer Bikerkneipe ein, wo wahlweise Currywurst oder Streuselkuchen zur Stärkung bereitstanden. Die Erfahreneren behielten dabei stets den Glukosespiegel der Neulinge im Blick – und die Gels im Rucksack.

Der nächste Tag begann ebenso entspannt. Obwohl anschließend – unterbrochen von schwedischer Kirschtorte und/oder Kürbissuppe – immerhin fast 18 Kilometer zunächst bergab und dann wieder bergauf zu bewältigen waren, blieb das Ganze weit vom Niveau eines Ultramarsches entfernt. Auch die Höhenmeter hielten sich mit jeweils knapp 300 Metern an beiden Tagen in Grenzen. Abends folgte bei Bedarf die therapeutisch angeleitete Einnahme fettreicher Nahrungsmittel – sprich: Schnitzel mit Pommes.

Auch der dritte Tag begann gemütlich um 8 Uhr mit dem Frühstück. Da es der Abreisetag war, mussten zunächst die Zimmer geräumt werden, bevor die Gruppe zu einer kürzeren, acht Kilometer langen Wanderung aufbrach. Ich persönlich musste allerdings passen: Ich hatte mir vorgenommen, die 600 Kilometer mit dem Rad nach Hause zu fahren – natürlich über mehrere Tage – und wollte unterwegs unbedingt noch den Brocken mitnehmen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Wenn ich auf die Wandertage zurückblicke, kam ich mir ein wenig wie ein Erstklässler auf Abiturfahrt vor. Mein frisches Halbwissen traf auf vermutlich 500 Jahre gelebte Erfahrung mit Typ-1-Diabetes – größtenteils aus Zeiten, in denen man von CGM oder auch nur von einer regelmäßigen Versorgung mit Spritzzubehör und Glukosemessstreifen lediglich träumen konnte. Zu hören, dass Menschen mit Diabetes ihre Erkrankung über Jahre praktisch verheimlichen mussten, und zu erfahren, welche Kämpfe nötig waren, um diese Missstände zu überwinden, hat mich demütig gemacht. Typ-1-Diabetes in einer Zeit zu bekommen, in der CGM- und AID-Systeme in Deutschland beinahe selbstverständlich sind, fühlt sich für mich inzwischen wie großes Glück im Unglück an.

Zum Schluss möchte ich Katrin Dunsch für die großartige Organisation der Wandertage von A bis Z danken – ebenso der IDAA und all den Menschen, die sie seit 1989 voranbringen und vorangebracht haben. Ihr Einsatz trägt dazu bei, dass mein Leben mit Typ 1 heute vergleichsweise einfach ist.

Damit es nun nicht allzu salbungsvoll endet: Ich wünsche allen eine schöne und produktive Mitgliederversammlung. Und ich hoffe, bei den nächsten Wandertagen nicht wieder der Einzige zu sein, der mit dem Rad an- oder abreist. Die Strecke muss ja nicht gleich 600 Kilometer lang sein.

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