Triathlon der Sinne in Schweden

Ich habe nun schon seit 7 Jahren Typ 1 Diabetes (inkl. Mody 3) und habe noch nie davor zurückgeschreckt auch mal verrückte Dinge auszuprobieren. Über rucksack-reisen.de hatten wir uns für die Wildniswoche in Idre entschieden: Wandern, Rad und Kanu fahren in der einsamenen Natur von Schweden hat uns erwartet.

Bei so einem Urlaub muss man sowieso schon sehr intensiv über sein Gepäck nachdenken, zu viel tragen will man nicht, etwas vergessen aber auch nicht. Mit Diabetes ist das alles natürlich noch aufwendiger. Ich habe mich entschieden meinen letzten FGM-Sensor zu benutzen, den Dexcom-G5-Sensor habe ich ausnahmsweise mal nicht benutzt. Der Akku des Freestyle Libre Scanners hält sehr lange und ich wollte meinen Smartphone-Akku für das Fotografieren aufsparen.

Da ich mit Kristina noch eine andere erfahrene Diabetikerin dabei hatte, konnten wir uns gegenseitig immer ans Blutzucker prüfen und Korrektur-Essen erinnern. Dennoch wurde die übrige Truppe natürlich aufgeklärt.

Nach der Anreise ins von G20 geprägten Hamburg startete unsere Reise per Bus und Fähre etwas verspätet zum nochmal etwa 1.200 km entfernten Ziel.

Nach fast 20 Stunden Busfahrt waren am Samstag, 7.Juli dann auch alle froh endlich angekommen zu sein und dass es endlich losging. Nach schneller Stärkung mit Spaghetti haben sich die einzelnen Gruppen für die unterschiedlichen Aktiv-Wochen zusammengefunden. Unsere Wildnis-Gruppe bestand fortan aus sechs Personen inkl. Tourenbegleiterin Karin.

In der darauffolgenden Woche erwartete uns ein abwechslungsreiches Programm aus Wandern, Fahrrad und Kanu fahren. Als Erstes stand deswegen das richtige Packen an. Da wir zur Wochenmitte beim Wechsel auf die Kanus nochmal unser Gepäck bzw. Proviant aufstocken konnten, mussten wir zwar nicht alles mitnehmen was wir so mitgebracht hatten, aber die Zelte, Verpflegung und Ausrüstung wie Kocher und Besteck mussten ja auch noch auf die Rucksäcke verteilt werden.

Auf dem Fahrrad ging es dann gegen Abend endlich los in Richtung unseres ersten Lagerplatzes. Das schwedische Wetter hat uns ganz schnell mit den harten Tatsachen für die nächsten Tage vertraut gemacht: bei über 30 Grad in der Heimat, durften wir uns mit Regen und meistens nicht mehr als 15 Grad auseinandersetzen, nachts auch schon mal nur etwa 5 Grad.

Da der Weg wegen der späten Abfahrt sowieso zu lang gewesen wäre, wurden wir unterwegs vom allgegenwärtigen Robert in seinem “Büssli” eingeholt. Die komplett durchnässte Gruppe war froh die letzten Kilometer im Trockenen beim Gepäck mitfahren zu dürfen. An der ersten Lagerstelle im Wald an einem kleinen Bach mussten wir uns relativ schnell mit den Aufgaben der nächsten Tage vertraut machen: Feuerstelle mit Plane trocken halten, Feuer machen, Zelte aufbauen, Kochen, Wasser holen, Abwaschen. Nach dem Leitbild „Minimal Impact“ war der Schutz der wilden Landschaft immer besonders groß geschrieben.

Am zweiten Tag erwarteten uns die mystischen und wilden Wälder des Fulufjället Nationalpark.

Wir wanderten durch Birken und Fichtenwälder sowie weite Moorlandschaften. Eine Hütte in der kargen Landschaft auf dem Fjäll war unser Ziel. Der Regen hatte sich glücklicherweise schnell verzogen, oben auf dem Plateau hatten wir eher mit dem Wind zu kämpfen. In der sumpfigen Landschaft dort oben war es auch gar nicht so einfach einen trockenen Zeltplatz zu finden. Die meisten zogen es dann auch vor in der Hütte zu schlafen.

 

Am Montag war unser Ziel eine kleine Hütte am Fluss: Kochen und Verweilen in der Hütte, Schlafen im Zelt direkt am Fluss, eine traumhafte grüne Oase in der weiten Tundra Schwedens.

Nach dem Holz sägen und Hacken für das Feuer, gab es auch wieder ein reichhaltiges Abendessen. Man könnte meinen, dass man bei so einem Urlaub auch mal mit weniger Essen auskommen muss. Dem war aber nicht so – schon unglaublich was man so auf einem Trangia-Kocher alles zaubern kann. Als Diabetiker war es dann auch eine besondere Herausforderung mit den vielen Pfannkuchen und Nutella-Sessions am Lagerfeuer zurecht zu kommen. Es war sowieso eine Zeit, in welcher der perfekte Blutzuckerwert nicht so entscheidend war – eher die Suche nach dem perfekten Moment in der idyllischen Umgebung.

Der Dienstag war dann ein echter Triathlon-Tag: Wandern, Fahrrad und Kanu fahren. Ohne Robert, den wir beim Wechsel wieder trafen, wäre das natürlich nicht möglich gewesen. Mittags gab es dann die Möglichkeit in einem kleinen Supermarkt einzukaufen und auch mal andere Dinge, wie Elchsalami, auszuprobieren. Am Nachmittag ging es dann nach kurzer Einweisung zum ersten Mal ins Kanu. Alle drei Kanuteam haben sich relativ schnell zurecht gefunden auf dem Wasser.

Auf den Kanuetappen am Mittwoch und Donnerstag haben uns weite Seen, enge Flüsse und teils auch kleine Wildwassereinlagen erwartet. Gekentert ist niemand, aufgesetzt sind wir dafür sehr oft. Auch wenn wir mal eine  ganze Weile gegen den Wind und gegen raue See ankämpfen mussten, hatten alle Spaß und genug Zeit um noch irgendwelchen Quatsch beim Fotografieren zu machen.

Das schönste Wetter erwartete uns an unserem letzten Vormittag in der Wildnis am Freitag. In einer fantastischen Morgensonne konnten wir unseren Kaffee direkt am See genießen. Das Zusammenpacken und Warten auf Robert für die Fahrt zurück ins Camp war recht entspannend.

Die Woche in der Wildnis mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen, mit neuen Freunden und vertieften alten Freundschaften ging dann am Freitagabend mit Grillen, Lachen und Feiern im Camp zu Ende. Alle Gruppen waren hier wieder mit den Urlaubern vom Camp vereint. Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen aus Schweden, aus Idre. So richtig wollte keiner in sein normales Leben zurück. Alle hatten wir doch gelernt mit wie wenig man glücklich und wie toll so ein Naturerlebnis sein kann. Aber es wurden natürlich sehr viele Fotos geschossen um später auf eine tolle Zeit zurückblicken zu können – die besten Erinnerungen sind aber wahrscheinlich doch die, die es nur in den Köpfen gibt.

Hej då Sverige!


Anhang für Diabetiker  😉 

Diabetes-Packliste:

  • Freestyle libre Messegerät
  • Pflaster zur Befestigung des libre-Sensors
  • Insulin
  • kompaktes Desinfektionsspray
  • OmniPods/Katheter
  • Ersatzmessgerät
  • Teststreifen
  • Stechhilfe
  • Lanzetten
  • Batterien
  • Einwegspritzen für den Notfall
  • Toujeo-Fertigpen (falls PDM/Pumpe ausfällt)
  • Not-BEs (Traubenzucker, Gummibärchen, Müsliriegel)

Tipps für Diabetiker:

  • Basalrate senken, Erfahrungswerte sind erforderlich
  • BZ sollte lieber etwas höher sein
  • Neuen Libre Sensor kurz vor dem Urlaub setzen damit er den ganzen Urlaub übersteht
  • Sitz des Libre Sensors regelmäßig kontrollieren, ggfs. rechtzeitig mit Pflaster absichern
  • Not-BE immer griffbereit z.B. in der Hosentasche
  • Andere Teilnehmer zu Beginn offen aufklären
  • Da die Temperaturen in Schweden nicht so hoch waren, mussten wir uns um Kühlung wenigstens keine Gedanken machen. 
  • Alle Utensilien sicher und trotzdem griffbereit verstauen

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2 Kommentare auf "Triathlon der Sinne in Schweden"

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T.P.
Mitglied

He Dieter,
danke für Deinen tollen Urlaubsbericht. Wir waren schon oft in Schweden und können deine Eindrücke nur bestätigen. Es ist ein tolles Land um sich wieder auf das einfache leben zu besinnen. Das Kanufahren und das Wildcamping ist jedem zu empfehlen.
Liebe Grüße, Torsten

Andreas
Webmaster

Wundervoll Reise, wunderbar erzählt und fotografiert: Danke!

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