Vätternrundan 2025 – Sonne, Sehnsucht, Schweden


Tobias:

Der Juni zeigte sich wettertechnisch von seiner rauen Seite – Regen, Wind, wenig Aussicht auf ein ideales Rennradevent. Doch kaum hatten wir Freitagmorgen in Trelleborg die Fähre verlassen, schien sie plötzlich: die Sonne! Nach Tagen Grau in Grau endlich ein Lichtblick, der uns alle sofort in bessere Stimmung versetzte. So fuhren Bernd, Bianca und ich voller Vorfreude die letzten 500 Kilometer bis zum Vätternsee – unser Ziel für das große Abenteuer.
Unser gemietetes Häuschen lag am Nordufer, idyllisch ruhig, mit nur 100 Metern bis zum Seeufer. Zwar mussten wir für Startunterlagen, Messebesuch und schließlich auch den Start selbst immer rund 30 km pendeln, aber es hätte uns nicht besser treffen können. Die Ruhe vor dem Sturm – im wahrsten Sinne des Wortes. Bis Samstag früh um 3 Uhr konnten wir Kraft tanken, entspannen und die atemberaubende schwedische Landschaft genießen.
Ein ganz besonderes Lob geht an Bernd – Biancas Mann und unser persönlicher Support-Held. Er fuhr uns mitten in der Nacht durch die dunklen Wälder Schwedens zum Start, vorbei an Wildschweinen und Rehen – ein Abenteuer für sich.

Nur 20 Sekunden vor dem Startschuss standen Bianca und ich bereit. Pünktlich, aufgeregt, voller Respekt vor den 330 Kilometern, die vor uns lagen. Noch fuhren wir mit Licht, doch um 4 Uhr war das Dämmerlicht des endlosen Sonnenaufgangs bereits so hell, dass wir ohne auskamen. Ein magischer Moment.

Drei Stunden später: der erste Verpflegungspunkt. Überall gespannte, aber fröhliche Gesichter. Die Begeisterung war spürbar. 

Und dann – 6:30 Uhr – das erste “Mittagessen”: Köttbullar mit Gurke. Herrlich. Genau das Richtige nach einer Etappe mit viel Betrieb… und leider auch Pannen. Jemand hatte über eine Strecke von mehr als 140 Kilometern Reißzwecken verteilt – über 150 Teilnehmer mussten Reifen wechseln. Die Polizei ermittelt, Zeugen werden gesucht. Wir? Glück gehabt. Keine Panne. 
9:15 Uhr dann die zweite „Mittagspause“ – Lasagne. Die schmeckte gleich doppelt so gut nach sechs Stunden im Sattel. Noch guter Dinge habe ich erste Bilder in unsere IDAA-WhatsApp-Gruppe geschickt – ich wusste, jetzt waren auch unsere Langschläfer wach und konnten mitfiebern.

Und dann? Weitere sechs Stunden im Sattel, aber diesmal im schönsten Sonnenschein, mit wenig Wind und richtig guter Laune. Keine besonderen Vorkommnisse, keine Krisen – nur Glücksmomente, nette Begegnungen und eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Als ich ins Ziel rollte, war ich einfach nur zufrieden. Erschöpft, ja. Aber stolz und dankbar, wieder gut durchgekommen zu sein.
Der BZ? Natürlich wieder mit den üblichen Höhenmetern, wie auf der Strecke – aber das überrascht mich nach drei Teilnahmen nun auch nicht.
Und dann kam auch Bianca glücklich und lachend ins Ziel. Wir haben den 60. Geburtstag der Vätternrundfahrt ausklingen lassen – mit müden Beinen, aber großem Herzen.

Bianca: Begeistert – ja, das war schön!

So, wie ich es mir vorgestellt hatte – nein, eigentlich sogar noch schöner. Dieses einmalige Gefühl, mit Tausenden Gleichgesinnten den Vätternsee zu umrunden, Seite an Seite durch eine atemberaubende Natur zu radeln, das bleibt unvergesslich. Natürlich gibt es an einem solchen Tag auch kleine Tiefpunkte, körperlich wie mental. Aber ganz ehrlich? Die konnten meiner Begeisterung überhaupt nichts anhaben.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem so einiges schieflief, hatte ich mir diesmal ganz fest vorgenommen: Nichts und niemand wird mir diesen Tag verderben. Und genau so war es – auch als gleich zu Beginn eine kleine Überraschung auf mich wartete. Oder sagen wir besser: eine Herausforderung der besonderen Art. Um zwei Uhr morgens, mitten in der Vorbereitung, verabschiedete sich plötzlich mein Dexcom G6. Klar, genau dann, wenn man ihn am dringendsten braucht! Also hieß es: improvisieren. Einen neuen Sensor setzen, blutig zum Start messen – nicht gerade der Traumstart. Mit 180 mg/dl, leicht erhöht, aber im Rahmen, ging es dann auf die Strecke. Und siehe da – der Blutzucker pendelte sich stabil ein.

Die Versorgung entlang der Strecke? Einfach großartig! Ich denke besonders gern zurück an die leckere Blaubeersuppe, ein Klassiker der Vätternrunde, und natürlich an Kartoffelstampf und Milch zu den Köttbullar – typisch schwedisch, herzlich und genau das Richtige zur Stärkung. Jeder Verpflegungspunkt war wie eine kleine Oase. Man wurde nicht nur satt, sondern auch motiviert – durch Lächeln, durchgestreckte Daumen, durch ein paar freundliche Worte von Fremden, die für diesen einen Tag zu Mitstreitern wurden.

Klar – mit 315 Kilometern und knapp 2.000 Höhenmetern ist die Vätternrunde kein Spaziergang. Es gab Momente, da stellte ich mir kurz die Frage: Was machst du hier eigentlich? Aber die Zweifel verflogen so schnell wie sie gekommen waren – vertrieben vom Rhythmus der Pedale, dem Blick über den glitzernden See und der Gewissheit: Ich bin Teil von etwas ganz Besonderem.

Und dann – nach vielen Stunden, unzähligen Eindrücken und einigen emotionalen Höhenmetern – endlich der Zieleinlauf. Und was für ein schöner Moment: Bernd und Tobi stehen da, winken, warten, lachen – und machen das Ankommen perfekt.

Am Ende bleibt: ein stolzes Lächeln, müde Beine – und das tiefe Gefühl, etwas Großartiges erlebt zu haben.

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