„Don`t stop me now“ – Halbmarathon in Kopenhagen am 18.09.2022

Verena und ich haben es schon wieder getan. Nachdem wir 2021 gemeinsam beim Halbmarathon in Berlin angetreten sind, starteten wir in diesem Jahr in Dänemarks Hauptstadt. Die 21,1 Kilometer dort gelten als besonders schnell, der Rekord lag vorher bei 59:10 Minuten und – Spoiler gleich zu Beginn – er wurde auch in diesem Jahr mit 58:58 Minuten von dem Äthiopier Milkesa Mengesha unterboten. Tadu Teshome, ebenfalls aus Äthiopien, kam nach 1:06:13 Std. als schnellste Frau ins Ziel.

Weit weg von unseren Ambitionen. Aber ganz ohne sind wir auch nicht angereist. Ich wollte endlich, endlich zum ersten Mal den halben Marathon in unter zwei Stunden schaffen, nachdem ich in meinen ersten beiden offiziellen Halbmarathons immer knapp an der Marke vorbei- bzw. ihr hinterhergelaufen bin. Und meine Freundin Verena aus München, ihres Zeichens Triathletin und unglaublich sportlich? Die wollte dieses Mal die 1:40-Stunde-Grenze knacken.

Ein halbes Jahr lang trainierte ich, zum ersten Mal richtig koordiniert und strategisch – dank Trainingsplan und dank meines persönlichen „Laufcoachs“ Michael (vielen Dank!). Und der Blutzucker machte alle Trainingseinheiten auch recht artig mit.

Aber dann rückten Sonntag, der 18. September, und die Anreise näher und mein Blutzucker spielte verrückt. Mal wieder. Entweder ist das Murphy`s Law oder mein Adrenalinausstoß beginnt schon immer 48 Stunden vorher. Als ich am Samstag im Zug von Hamburg nach Kopenhagen saß, spritzte ich jedenfalls Insulin wie Wasser und kam nicht von meinen hohen Werten herunter.

Irgendwann wechselte ich das komplette Equipment und wartete weiter ab … bis ich sah, dass der Typ neben mir einen Insulinpen zückte. Was für ein Zufall! Und unsere armen Mitreisenden, die sich dann zwei Stunden lang Fachsimpelei über Diabetes anhören mussten! Der Däne, so lernte ich, ist seit knapp 10 Jahren im Zucker-Business und den Halbmarathon in Kopenhagen auch schonmal gelaufen. „Bei Kilometer 10 geht es am Bahnhof ewig lang bergauf, das ist heftig“, bereitete er mich auf den nächsten Tag vor – und zeigte mir die Stelle sogar, als wir in Kopenhagen einfuhren. „Viel Glück, du schaffst das mit den Unter-zwei-Stunden“, verabschiedete er sich.

Mein Blutzucker war endlich auch wieder gezähmt, die Stadt empfing mich mit Sonne, gut gelaunt lief ich also zum Hotel, wo Verena schon wartete. Nach einem seeehr reichhaltigen Dinner – vegetarisches Buffet in einem Restaurant irgendwo in der Innenstadt („Ist ja alles nur Gemüse!“) – gingen wir früh ins Bett. Und da ich gerade die CGM-Sensoren von Abbott und Dexcom parallel trug (letzteren testete ich) und die Aufregung für meinen Blutzucker zurückkam, piepte ich mich und Verena durch die Nacht (sorry nochmal) …

… bis mein Wecker um 7 Uhr ging. Ich wollte nämlich direkt um 7 Uhr frühstücken, damit die Insulinwirkung bis zum Start um 11.15 Uhr wieder weg war. Gesagt, getan und irgendwann brachen wir auf. Auf dem Weg zum Start, gemeinsam mit über 20.000 anderen, habe ich aber zu viele Kohlenhydrate nachgelegt. Plus reduzierte Basalrate, plus unberechenbares Adrenalin. Macht einen Blutzucker von etwa 300 mg/dl zum Start … und was ich auf jeden Fall verhindern wollte: Ich spritzte vorsichtshalber noch eine halbe Einheit Insulin kurz vor Startschuss. Aber es war ein gutes Bauchgefühl … nach circa 70 Minuten Lauf war der Blutzucker bei circa 200 mg/dl, Tendenz fallend, ich schob eine 10-Gramm-KH-Tube ein – und mit 120 mg/dl kam ich im Ziel an.

Achso. Da war ja noch etwas anderes abseits des Blutzuckers. Ich habe es geschafft! 1:55:14 Stunden! Und Verena auch: 1:38:22! Die Bestzeit-Glocke haben wir zwar im Ziel nicht geläutet – die Schlange war zu lang und läutete pausenlos – aber ordentlich gefreut haben wir uns natürlich trotzdem. Und gefeiert.

Und noch ein allgemeines Wort zum Halbmarathon in Kopenhagen: Sehr empfehlenswert! Super organisiert, tolle Stimmung, raffinierte App – und 21,1 Kilometer lang durchgehend Leute und Entertainment an der Strecke: DJs, Bands, Stelzenläufer, Nebeleffekte, Erfrischungen, … Mein persönliches Highlight, als ich bei Kilometer 8,5 um die Ecke bog: ein riesiger Chor, der gerade „Don`t stop me now“ von Queen gesungen hat. Was für eine Motivation – ich bin quasi vorbeigeflogen!

Die Zielzeit auf allen Ebenen im Blick - bei den Pace-Läufern, auf der eigenen Laufuhr und auf dem Unterarm ...

Die Zielzeit auf allen Ebenen im Blick – bei den Pace-Läufern, auf der eigenen Laufuhr und auf dem Unterarm mit den nötigen Durchgangszeiten …

Ziel: Unter zwei Stunden – geschafft!

Ziel: Unter zwei Stunden – geschafft!

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T.P.

Liebe Susanne, meine herzlichsten Glückwünsche für das erreichen deines Zieles und dann noch mit einer am Ende guten BZ Einstellung. Alles richtig gemacht. Eine Frage noch. Wie ist Dein Fazit in Sachen Libre Sensor und Dexcom. Waren die Unterschiede während des Laufes sehr groß?
Würde mich über eine Info freuen.
Herzliche Grüße aus der Sächsischen Schweiz.
Torsten

Bianca

Herzlichen Glückwunsch Susanne ,
alles richtig gemacht und dann die ersehnte Bestzeit💙
klingt nach einer tollen Veranstaltung!

Michael Simon

Herzlichen Glückwunsch auch noch einmal auf diesem Weg, liebe Susanne. Nächster Halt: Sub 1:45 h. Freue mich auf das weitere Training. BG von “Laufcoach” (warum eigentlich Anführungszeichen?) Michael 😉

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