Hallo allesamt, vor ein paar Jahren habe ich ein wenig über historische Fernfahrten und die Anfänge der großen Rad Rundfahrten gelesen. Besonders fasziniert hat mich…
Mailand – München mit dem Rad und zwei epische Alpenpässe
Am frühen morgen des 03. August 2026 bin ich aufgebrochen zu einer ganz besonderen Radtour von Mailand nach München. In Anlehnung an die große Fernfahrt die in den Jahren 1894 bis 1940 ziemlich regelmäßig ausgetragen wurde. Etwas zur Geschichte dieses Rennens kann man hier nachlesen. Die Geschichte von Mailand-München – Supergrevet Damals fuhr man über den Brenner Pass. Den habe ich aber schon einmal befahren und somit wählte ich die Variante über St. Moritz.
Es ging zunächst mit der Bahn Richtung Basel. In Freiburg stieg ich aus um den Rest bis Basel (70km) als „warming up“ – Tour mit dem Rad zurückzulegen. Mit knapp über 40 Grad wurde dies von den Wetterfröschen allerdings etwas sehr wörtlich genommen. In Basel hatte ich eine Unterkunft gebucht, und am folgenden Tag hatte ich noch etwas Zeit und habe Basel mit Straßenbahn und zu Fuß erkundet.
Am Nachmittag ging es dann mit dem Zug nach Mailand. Eine herrliche Fahrt mit viel Blick auf die Alpen, und einem Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte, aber auch sehr langen Tunnelfahrten.
Am 04. August war ich dann pünktlich um 19:50 in Mailand und habe erst mal diesen gigantisch großen und wunder schönen Bahnhof bestaunt.
Nun ging es also los und ich startete zum Prolog in Mailand.
Es ging aus der Stadt heraus ca. 30 Km zu meiner Unterkunft. Mailand ist eine sehr schnelle Stadt. Auch am Abend war noch viel Verkehr, es gibt aber auch ein recht gutes Radwegenetz. Einen Abstecher über Monza und die legendäre Rennstrecke wollte ich mir nicht entgehen lassen auch wenn es schon langsam dunkel wurde.
Viel mehr sehen konnte ich leider nicht, aber dort gewesen bin ich, und das zählt.
05. August, erste Etappe nach St. Moritz über 155 km.
Auf flacher Strecke ging es zunächst nach Como, dann den gesamten See entlang. Die Strecke bot einen guten Blick auf den See und die umliegenden Berge. Da es aber auch sehr hohes Verkehrsaufkommen gab, musste ich mich stark auf die Strecke konzentrieren und konnte die Landschaft nur teilweise genießen. Auch die Hitze war bis zum Ende der Etappe ein großes Thema. 43 Grad am Comer See und immer noch 35 Grad in St. Moritz verlangten sehr viel Flüssigkeit. Jede Tankstelle wurde angefahren und jeder kleine Dorfbrunnen wurde von mir zur Abkühlung genutzt. Glücklicherweise macht mir die Hitze nicht so sehr viel aus. Nach ca. 100 km überwiegend flaches Gelände begann der Aufstieg auf den „Malojapass“ auf 1815m. Es lagen 23 Kehren und 32 km Anstieg vor mir. Die letzten 15 Kehren waren die Härtesten. Ich hielt am Fuß kurz an und warf eine Ehrfurchtsvollen Blick nach oben. „Da muss ich jetzt rauf“
Auf dem Bild ist kaum zu erkennen wie hoch und steil das Ganze war. Auch hier war sehr dichter Verkehr, und ich musste ein sehr gleichmäßiges Tempo fahren ohne herumzuschlengeln, also immer möglichst auf der weißen Fahrbahnbegrenzung fahren. Das hat alles ganz gut geklappt, und mich überkam ein großes Glücksgefühl, als ich oben ankam. Zumal ich wusste, das der Rest der Tour bis nach München eigentlich hauptsächlich bergab ging.
In der Jugendherberge St. Moritz hatte ich eine ungewöhnlich ruhige Nacht. Die ausgebuchte Herberge war weitgehend von Schulklassen besucht. Aber nach 22:00 war tatsächlich Ruhe.
06. August, zweite Etappe nach Garmisch-Partenkirchen über 195 km
Es ging wie erwartet weitestgehend leicht bergab. Unbeschwert war es aber dennoch nicht, ganz im Gegenteil. Immer noch herrschte hohes Verkehrsaufkommen mit nur sehr wenig Radwegen. Die Überholmanöver der herannahenden Fahrzeuge waren oft sehr eng, 50 cm Abstand war da schon eher die positive Ausnahme. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran.
Kurz vor Garmisch fuhr ich dann einen Supermarkt an für eine Mittagspause, und um eine heranziehende Gewitterzelle abzuwarten. Denn: Das hatte ich gar nicht mehr so im Blick, es stand ja noch ein weiterer Alpenpass auf dem Programm.
Der „Fernpass“ 9.8km lang Anstieg auf 1216m. Am Fuße des Passes war Stau, auf beiden Seiten schien der Verkehr still zu stehen. „So ein Mist“ dachte ich, „was ist denn hier los?“ Also erst mal Mittelstreifen, und sehen wie es am besten weiter geht. Noch vor der ersten Kehre war ein Kleinlaster mit dem rechten Vorderrad am Felsen hängengeblieben. Es schien aber weiter nichts passiert zu sein. Nur der Laster war wohl nicht mehr fahrfähig. Die Polizei war gerade dabei die Strecke abzusperren. Ich konnte aber als letzter unter den ungläubigen Blicken der Beamten passieren. Und dann passierte das unglaubliche, episch und auf ewig in meinem Kopf gespeichert.
Hinter mir kam nichts mehr, der Abschleppwaren war bereits durch. Linke Spur (nach unten) standen die Fahrzeuge fast bis ganz nach oben den kompletten Pass entlang. Ich hatte also den ganzen Passaufstieg für mich alleine.
Es war ein triumphales Bad in der Menge. Die Menschen machten ihre Türen auf, drehten die Scheiben herunter und jubelten und aplaudierten mir zu. Allez, allez Rufe kamen mir entgegen. Es war der pure Wahnsinn. Nach 34 Minuten war ich oben. Auch die Abfahrt hatte ich dann für mich alleine, da immer noch niemand hinter mir war.
In Garmisch hatte ich mir dann ein Hotelzimmer gebucht. Dort ging es dann am
07. August nach München über 97km auf die 3 Etappe.
Ich bin mit ausreichend Zeitpuffer kurz nach 6:00 nach einem kurzen Frühstück losgefahren zum Etappenziel, dem Münchner Hauptbahnhof. Diese Etappe war flach und gemütlich, mit einem Frühstücksstopp bei etwa km 70. Um 10:30 war ich dann am Bahnhof und diese epische Tour fand ihr erfolgreiches Ende. Dann ging es mit der Bahn nach Hause wo ich am 8. August um 2.00 ankam.
Und was kommt als nächstes: Hier habe ich bereits eine Idee:
(Voraussichtlich in der ersten Augustwoche 2027)
Die Fernfahrt von Wien nach Berlin. Diese Fahrt wurde erstmals 1894 ausgetragen und gilt wohl als Geburtsstunde des modernen Straßenradsports.
Bis dahin bleibt aktiv und
Ride On
Mario







